Archiv der Kategorie: Projekt "Cologne 226" im Jahr 2010

Ironman Nizza: Kapitel 3 – Begegnung mit Emma

11 Wochen vor dem Start in Nizza bin ich Emma begegnet. Wer Emma ist? Emma ist mein Schutzengel und ich traf ihn auf meiner gestrigen Radausfahrt.
Bei herrlichem Wetter wollte ich am Abend noch 2 Stunden locker mit dem Triathlonrad fahren, dann Schwimmen gehen und mich anschließend mit Gitta in Saarlouis treffen.
Meine Radtour endete jedoch jäh bereits nach 30 Minuten.  Von Rammelfangen fuhr ich über Niedaltdorf und Neunkirchen bis Schwerdorff und wollte dann nach Otzwiller. In Schwerdorff geht es recht steil bergab und nach Überquerung einer kleinen Brücke in eine scharfe Linkskurve, die ich schon zigmal gefahren bin. Dieses Mal war ich jedoch zu schnell, oder einfach nur zu dumm bzw. unkonzentriert. Mit relativ hohem Tempo konnte ich in Triathlonposition noch die Brücke überqueren, dann jedoch wurde der Kurvenradius immer enger. Am Rand der Fahrbahn sah ich schon den Rollsplit und wußte eigentlich sofort, dass es diesmal gefährlich  werden würde. Für mich war innerhalb einer Sekunde klar, dass ich es nicht mehr schaffen würde aus der Liegeposition zu den Bremsgriffen zu gelangen und noch in der Kurve abzubremsen. So blieb mir nur die Wahl unten zu bleiben und so zu versuchen ohne Sturz durch die Kurve zu kommen. Immer enger wurde die Kurve, immer mehr näherte ich mich dem Rollsplit, musste aber gleichzeitig versuchen, eine stärkere Kurvenlage einzunehmen, da ansonsten die Fliehkräfte zu stark wirken würden. Es war eine Sache von Sekundenbruchteilen, in denen die physikalischen Gesetzmäßigkeiten die Oberhand bekamen, mein Hinterrad wegrutschte, ich mit den Ellbogen von den Armauflagen abglitt und schließlich aus der Kurve flog.
Ich spürte zunächst den  Aufprall mit dem Kopf, der durch meinen Helm glücklicherweise gemindert wurde und gleichzeitig einen starken Schlag im Bereich des Nackens. Danach lag ich im Straßengraben und dachte, dass ich nun wohl als nächstes ohnmächtig werden würde und es dann möglicherweise mit mir vorbei wäre.  Große Schmerzen verspürte ich jedoch zunächst nicht. Als die Ohnmacht dann nicht eintrat, versuchte ich mich zu  orientieren und zu sammeln. Komischerweise hatte ich den Eindruck, dass mein rechter Arm viel zu weit von meinem Körper entfernt sei. Beim Versuch, den Arm zu bewegen, musste ich mit Erschrecken feststellen, dass Arm und Hand völlig gefühllos und bewegungsunfähig waren. Der ganze Arm schien auf einmal nicht mehr zu mir zu gehören und hing wie tot an mir herab. Ich musste sofort  eine schwerwiegende Verletzung annehmen  und befürchtete das Schlimmste. Nach kurzer Zeit kehrte jedoch bereits wieder etwas Gefühl in meinen Arm zurück und ich konnte ihn wieder bewegen.
Im Straßengraben sitzend überdachte ich meine Situation und trank erst einmal aus meiner Radflasche, die sich in weitem Bogen verabschiedet hatte.  Inzwischen hatte ich bereits registriert, dass Arme und Beine wohl nicht gebrochen waren und der Radhelm schlimmere Folgen für den Kopf verhindert hatte. Am schlimmsten waren nun die Schmerzen im Bereich des Nackens und des Rückens, die ich jedoch als Prellung einstufte.
Da mein Rad nicht mehr fahrbar war, humpelte ich bis zur nächsten Ortschaft und rief von dort meinen Sohn an, der mich auch gleich nach Hause fuhr. Am Abend war ich dann mehr oder weniger bewegungsunfähig und verbrachte eine schlaflose Nacht.
Heute stellte ich mich mit meinen Verletzungen in der Ambulanz der St. Elisabeth-Klink vor. Als schwerste Verletzung wurde ein Deckplatteneinbruch im Bereich des 8. Brustwirbels diagnostiziert. Dieser erfordert ca. 5 Wochen Schonung. Die Prellungen und Schürfwunden, sowie ein blaues Auge sind eher harmlos.
Ich glaube, dass Emma und mein Helm mich gerettet haben, denn dieser Unfall hätte durchaus noch schlimmer ausgehen können.
Momentan habe ich bei jeder Bewegung Schmerzen  und an richtiges Training ist in der nächsten Zeit sicher nicht zu denken. Ich bin jedoch froh, dass ich noch lebe und meine Extremitäten wieder bewegen kann.  Mit Emma habe mich demnächst zum lockeren Schwimmen und zum Aquajogging verabredet.

Fotos aus der Saison 2010

Iron Distance Cologne Fotos

 

 

 

 

Tristar 111 Worms Fotos

 

Équipe Sarre Deux bei der Challenge Roth Fotos

 

Abenteuer Langdistanz: Kapitel 8 – Nach dem Ironman ist vor dem Ironman

"Kann ja gar nicht so schlimm gewesen sein!"Beim Zieleinlauf empfing mich Gitta mit den Worten: “Du siehst aber noch gut aus! Das kann ja gar nicht so schlimm gewesen sein!”

Stimmt! Es war auch gar nicht so schlimm! Ich empfand meine erste Langdistanz wie einen Urlaubstag bei tollem Wetter in schöner Umgebung, an dem man viel Zeit für Sport hat und an dem die Küche kalt bleibt.

Die von vielen beschriebene Euphorie nach der ersten Langdistanz hat sich bei mir jedoch nicht eingestellt. Viel mehr überwiegt die “einfache, eher nach innen gehende Freude” und der Stolz, das lange, bisweilen körperlich und mental ermüdende Training und den abschließenden Wettbewerb geschafft zu haben. Das macht den Eisenmann jedoch noch lange nicht zu einem “neuen Menschen”.  Vielleicht lässt sich jedoch nach der Langdistanz das Bewußtsein in den Alltag hineintragen, dass man sicher auch die “kleinen Probleme” meistern wird, wenn es gelungen ist, sich konzentriert und beharrlich auf einen Ironman vorzubereiten und diesen letztendlich auch zu finishen.

Aber wie soll es jetzt weitergehen? Ende Gelände, oder neuer Anlauf? Ich habe mich für das zweite entschieden und werde im nächsten Jahr mit Gitta eine Woche am Mittelmeer verbringen und dabei einen Urlaubstag bei hoffentlich tollem Wetter in schöner Umgebung für den Ironman France in Nizza nutzen. Wäre es nicht gerade Nizza gewesen, hätte ich wohl Gittas Genehmigung nicht so leicht bekommen. An diesem Tag wird wieder die Küche kalt bleiben, aber bereits jetzt freuen wir uns beide darauf!

Impressionen vom Cologne Triathlon Weekend 2010

Fotos bei “Tri-Time”

Fotos bei “Laufen in Köln”

Videos und Fotos zum Cologne Triathlon Weekend

3-Minuten-Trailer

20-Minuten-Trailer: Mit Saarlouiser Fans und Triathleten (Bernhard)

Abenteuer Langdistanz – Kapitel 7: Raceday

In den beiden letzten Nächten habe ich in fremder Umgebung nicht perfekt, aber dennoch gut und ausreichend geschlafen und heute morgen ist es endlich soweit. Race Day – der Tag, auf den Bernhard und ich fast ein ganzes Jahr hingearbeitet haben, ist endlich da!
Voller Vorfreude stehe ich um 05.00 Uhr auf, dusche und rasiere mich flott, ziehe die Kleidung an, mit der ich später zum Start fahren werde und nehme im Hotelzimmer das am Vorabend bereitgestellte, etwas karge Frühstück zu mir: einige Scheiben Weißbrot mit Butter und Marmelade, dazu 2 Gläser Isogetränk statt Kaffee – igittigitt! Erstaunlicherweise habe ich sogar Appetit und gönne mir als Nachtisch noch eine Banane. Um 05.45 Uhr bin ich mit meinem Trainingspartner Bernhard verabredet, um gemeinsam zum Startplatz am Fühlinger See zu fahren. Auch Bernhard macht einen sehr gelassenen und entspannten Eindruck. Beste Vorzeichen für den heutigen Tag!
Zusammen mit unseren Frauen kommen wir kurz vor 06:00 Uhr am Fühlinger See an, um uns dann schnell von ihnen zu verabschieden und uns zu unseren Rädern zu begeben, die bereits seit gestern in der Wechselzone 1 auf uns warten.

In der Wechselzone angekommen stellen wir als erstes beruhigt fest, dass mit den Rädern alles in Ordnung scheint. Wir befinden uns in einer Reihe nur wenige Meter voneinander entfernt und können uns prima miteinander unterhalten, während wir Helm, Radschuhe und eigene Verpflegung für die 180 km am Rad anbringen. Leider funktioniert mein Radcomputer wieder einmal nicht, und er lässt sich auch nicht in Gang bringen. Der Sensor meines VDO MC1.0+ ist doch erst ausgetauscht worden, hat dann kurz funktioniert und dann immer wieder seinen Geist aufgegeben. So auch heute! Das wird mich nicht aus der Bahn werfen. Da ich weiß, dass 3 Runden zu je 60 km zu fahren sind, werde ich aufgrund meiner Rundenzeiten die Geschwindigkeit und die zu erwartende Radendzeit leicht abschätzen können.

Bernhard hat bereits seinen Neo an. Ich reibe mich noch am Nacken mit Vaseline ein, da mein Neo hier immer wieder scheuert und streife mir ebenfalls die Gummihaut über. Es ist kalt! Manche Triathleten laufen mit bloßen Füßen herum und lassen erkennen, dass sie frieren. Da ich meinen Kleiderbeutel auch noch unmittelbar vor dem Start abgeben kann, möchte ich Schuhe und Strümpfe so lange wie möglich anlassen, um keine kalten Füße zu bekommen.

Es ist 06:30 Uhr. Die Wettkampfbesprechung beginnt. Kurz werden noch einmal die Modalitäten des Wettkampfes zusammengefasst. Nichts Neues! Kurz vor dem Start spricht ein Geistlicher über den möglichen Sinn eines solchen Wettkampfes. Warum tut man das? Brauchen manche Menschen solche Grenzerfahrungen? Ich denke an meinen Bruder, der viel zu jung verstorben ist und bin dankbar, dass ich gesund bin, mich im Training mit Freude viele Stunden in Gottes schöner Natur bewegen durfte und nun diesen schönen Tag genießen kann. Die Ansprache wird mich den ganzen Tag begleiten und mir Stärke und Zuversicht geben. Ich werde froh und gesund im Ziel ankommen. Die Zeit ist mir egal!

Kurz vor 07:00 Uhr: Jetzt wird es langsam Zeit, den Kleiderbeutel abzugeben und ins Wasser zu steigen. Noch eine Umarmung mit Bernhard. Wir wünschen uns Glück und wissen, dass es nun kein Zurück mehr gibt – aber das war uns eigentlich schon vor Wochen klar! Einstieg ins Wasser – Schwimmbrille richten – Einschwimmen bis zur Startlinie – Startschuss – Es geht los! Von der Musik und vom Feuerwerk bekomme ich nichts mit. Ich bin völlig konzentriert auf meine Schwimmtechnik und finde im Pulk der Triathleten sehr schnell meinen Rhythmus. Auch die Orientierung fällt mir nicht schwer. Nach kurzer Zeit befinde ich mich in einer Umgebung etwa gleichschneller Schwimmer. Ich könnte den ein oder anderen überholen, denke mir aber, dass ein Überholvorgang nur wenige Sekunden bringt, dafür aber unnötig Kraft kostet und schwimme ganz ruhig wie im Training. Ich genieße das Schwimmen am frühen Morgen im angenehmen Wasser des Fühlinger Sees und schwimme in einem 3er und 4er Atemrhythmus. Sehr schnell ist die Wendeboje bei 1900m erreicht. Ganz kurz nehme ich die Brille ab, reinige und richte sie, schaue auf die Uhr und sehe, dass ich wunderbar in der Zeit liege, ohne mich besonders angestrengt zu haben. Auf dem gesamten Rückweg schwimme ich locker und ohne Stress und kontrolliere weiter meine Schwimmtechnik. Nach rund 1:09 Stunden steige ich mit dem Gefühl aus dem Wasser, eine schöne Trainingseinheit im GA1-Tempo absolviert zu haben. So kann es heute weitergehen! Ich freue mich aufs Radfahren!

Es ist kurz nach 08.00 Uhr. Ich laufe in die Wechselzone 1 und sehe sofort, dass hier noch jede Menge Räder stehen. Also kann mein Schwimmen nicht so schlecht gewesen sein. Ich streife den Neo ab und da es noch kühl ist, nehme ich mir die Zeit, mich vollkommen abzutrocknen und trockene Fahrradkleidung inklusive der Ärmlinge anzuziehen. Mit Vaseline werden die reibungsgefährdeten Stellen noch schnell eingeschmiert und dann geht’s los auf’s Rad. Erst mal locker losfahren und essen und trinken, denke ich mir, aber schon bei der ersten Flüssigkeitsaufnahme passiert ein Malheur: Beim Trinken aus der zwischen den Aerobars angebrachten Flasche passe ich nicht auf und durchfahre ein Loch in der Fahrbahn. Dabei rahme ich mir den Trinkhalm aus Hartplastik in die Lippe, die sofort zu bluten beginnt. Es dauert einige Minuten, bis die Wunde getrocknet ist und der Blutgeschmack verschwindet. Die Lippe ist zwar jetzt dick geschwollen, aber kein Problem! Ich fahre vom Gefühl her so 27-28 km/h, mein Tachometer ist außer Funktion. Ich trinke zwischendurch immer wieder in kleinen Schlucken und lege die Uhrzeit fest, wann ich das nächste Gel zu mir nehmen möchte. Einmal pro Runde geht es in die Innenstadt Kölns. Hier stehen am Wendepunkt zwischen den zahlreichen Zuschauern auch Biggi und Gitta. Das baut mich richtig auf, denn ich weiß, dass ich hier nach etwa 2 Stunden wieder die Gesichter der vertrauten Personen sehen werde. Auf der letzten der 3 Fahrradrunden gibt es Verkehr auf der Strecke. Die Halbdistanzler kommen in einem Höllentempo entgegen, und ich erkenne Peter und Ralph, die nicht weit hinter der Spitzengruppe liegen. Teilweise wird es gefährlich, weil einige nicht weit genug rechts fahren, aber alles geht gut. Kurz vor dem Ende überholt mich ein D-Zug, so habe ich zumindest das Gefühl, aber es ist Andreas Raelert, der mit mindestens 45 km/h an mir vorbeischießt. Jetzt, nach 180 km, ca. 12 Gels und etwa 4 Litern Isogetränk bzw. Wasser, darf ich zur Wechselzone 2 bei der Deutzer Brücke abbiegen. Das Sitzfleisch schmerzt und ich freue mich, endlich vom Rad absteigen zu können.

Ich bin in der Wechselzone 2 angekommen. Das Rad wird mir von freundlichen  Helfern abgenommen und ich erhalte meinen Beutel mit der Laufkleidung. Als ich gegen 14.30 Uhr die Wechselzone locker laufend in unserem schönen, hellblauen Vereinseinteiler verlasse und Gitta am Rand der Strecke sehe, weiß ich: “Das Ding werde ich auf jeden Fall finishen!” Der Übergang zum Laufen ist mir nämlich nicht schwer gefallen und ich habe noch jede Menge Zeit! Die beiden ersten 10km-Runden schaffe ich tatsächlich locker, und es macht Spaß, die Trainingskameraden und die mitgereisten “Fans” auf der Strecke immer wieder zu treffen. Steffi, die mir auf ihrer Halbdistanz ebenfalls begegnet, umarmt mich zwischendurch, so dass ein Läufer hinter mir fast schon neidisch feststellt: “Das ist doch sagenhaft! Die Saarlouiser haben sogar noch Zeit zum Küssen!” Fast jede Verpflegungsstation nutze ich aus und versorge mich mit Gels, Obst und Getränken. Zu keiner Zeit habe ich das Gefühl, dass die Muskeln nicht mehr mitspielen könnten. Auf der dritten Runde werde ich jedoch deutlich schwächer, weil vor allem die Zehen und Fußgelenke zunehmend schmerzen. Auch ein doppelter Schuhwechsel bringt kaum Linderung. Bernhard holt mich ein und muntert mich noch einmal auf: “Komm, wir finishen bestimmt noch vor Sonnenuntergang!” Tatsächlich begleitet mich die herrlich rote Sonne auf der anderen Seite des Rheins, bis ich gegen  20.00 Uhr nach 13.00 Stunden kurz vor dem Ziel bin. Schon von weitem höre ich die aufmunternden Rufe der Saarlouiser Triathleten, die das Ziel bereits erreicht haben und mich auf den letzten Metern noch einmal anfeuern. Am Ziel empfängt mich Gitta, deren erster Kommentar lautet: “Du siehst aber noch gut aus, scheint ja gar nicht so schlimm gewesen zu sein!”

Abenteuer Langdistanz – Kapitel 6: Die Wettkampfstrategie

Bei meiner ersten Langdistanz war es mir wichtig, mir eine passende Wettkampfstrategie zurechtzulegen und dabei auch unterschiedliche Wettkampfszenarien mit einzuplanen.
Dabei ging ich von einem für mich optimalen Wettkampfverlauf in den 3 verschiedenen Disziplinen aus und sah ebenso meine Reaktion auf eventuelle Probleme und Störfaktoren vor.

Szenario 1: optimaler Wettkampfverlauf
Beim Schwimmen werde ich keine Probleme bekommen. Wenn ich von den Trainingsleistungen ausgehe, werde ich die 3,8 km ganz locker in höchstens 1:15 zurücklegen. Ich werde mich hier in keinster Weise verausgaben.
Im Training und in Probewettkämpfen habe ich auf dem Rad schon des öfteren Distanzen bis 6:30 zurückgelegt, auch auf profilierterer Strecke. Wenn ich mich vernünftig verpflege, wird es außer zu Sitzproblemen zu keinen weiteren Schwierigkeiten kommen. Ich peile eine Radzeit von 6:30 an.
Schon mehrfach habe ich Koppelläufe nach langen Radeinheiten absolviert. Ich habe festgestellt, dass ich nach kurzer Umstellung durchaus noch locker – wenn auch nicht schnell – laufen kann. Bei optimalem Wettkampfverlauf werde ich versuchen, die ersten 25 km am Stück mit einem Tempo von 6:20/km zu laufen.
Dann erwarte ich Probleme mit dem Bewegungsapparat. Ich weiß jedoch, dass ich zur Not auch noch ein guter Marschierer bin!

Szenario 2: Probleme beim Schwimmen und/oder Radfahren und/oder Laufen
Bei längeren Schwimmdistanzen hatte ich im Training schon des öfteren mit Krämpfen in den Füßen bzw. in den Waden zu kämpfen. Durch Plantarflexion der Füße habe ich das Problem bisher jedoch immer in den Griff bekommen, so dass die Krämpfe nach kurzer Zeit wieder verschwanden. Sollten im Wettkampf diese Krämpfe auftreten, werde ich wie im Training agieren. Das wird mich ein paar Minuten kosten, mich jedoch im Schwimmen nicht aus der Bahn werfen.
Auf dem Rad werde ich nach ca. 2-3 Stunden die ersten Sitzprobleme bekommen. Ich weiß jedoch, dass ich trotzdem 180 km fahren kann, wenn ich die Sitz- und Griffpositionen des öfteren wechsle und auch ab und zu aus dem Sattel gehe. Sollte es wider Erwarten zu Rückenproblemen kommen, werde ich mich nicht scheuen, auch einmal vom Rad abzusteigen und den Rücken kurz zu erholen. Auch das wird sich im Endeffekt nicht mehr als 15 Minuten auf die Gesamtzeit auswirken. Im Training habe ich bereits oft geübt, einen defekten Schlauch zu wechseln. Sollte es eine solche Panne geben, werde ich nicht in Panik verfallen, sondern in Ruhe einen Schlauchwechsel vornehmen. Auf sonstige Pannen werde ich sachlich und situationsgemäß agieren und eventuell auf den Pannendienst des Veranstalters warten.
Sollte ich nach dem Wechsel vom Radfahren zum Laufen nicht vernünftig loslaufen können, so werde ich zumindest versuchen, schnell zu marschieren. Das gleiche gilt, falls die ab etwa km 25 zu erwartenden Probleme mit Fuß- und Kniegelenken, Hüfte, Rücken oder Muskulatur ein “Weiterlaufen” unmöglich machen. Ich weiß, dass ich als guter Marschierer auf jeden Fall das Ziel erreichen werde.

Die beiden Szenarien habe ich im Kopf oft genug durchgespielt. So bin ich mir sicher, dass ich auch im allerschlechtesten Fall trotzdem finishen kann.
Natürlich können noch völlig unerwartete Ereignisse eintreten. Sollte es z.B. zu Problemen mit dem Herz-Kreislaufsystem kommen, was bisher im Training nie der Fall war, werde ich sofort den Wettkampf abbrechen.


Abenteuer Langdistanz – Kapitel 5: Die letzten beiden Tage

Die letzten Wochen vergingen wie im Flug und mir nichts dir nichts war das Wettkampfwochenende da! Zum weiteren Nachdenken und Planen blieb wie vorauszusehen an den letzten beiden Tagen keine Zeit. Um keine Überraschungen zu erleben, war alles Wichtige bereits im Vorfeld durchdacht und ausprobiert worden.
Abweichend vom Trainingsplan habe ich am letzten Tag vor dem Wettkampf (Samstag) kein Training mehr durchgeführt. Man sollte eigentlich am Vortag  noch einmal die Muskeln wecken, damit sie am Wettkampftag wissen, was sie tun müssen. So war vorgesehen, noch jeweils eine halbe Stunde locker zu radeln und zu laufen und dann noch ein paar Steigerungen einzubauen. Statt dessen verbrachte ich lieber noch etwas Zeit mit Gitta in Köln.

Die beiden letzten Tage im Zeitraffer:

Freitag:
Vormittag: letztes Schwimmtraining ca. 30 Minuten
Nachmittag: Abreise nach Köln, Ankunft gegen 18.30 Uhr
Zimmerbezug, kurzer Abendspaziergang, Abendessen
gegen 22.00 Uhr Nachtruhe

Samstag:
Vormittag: nach dem Frühstück Abholen der Startunterlagen am Fühlinger See
Anschauen der Schwimmstrecke und der Wechselzone 1
Nachmittag: kurzer Besuch der Kölner City (mit Eisessen, natürlich ohne Shopping- oder Besichtigungstour), danach Radabgabe in der Wechselzone 1
Abend: frühes Abendessen, gegen 22.00 Uhr Nachtruhe

Sonntag:
Wecken um 05.00 Uhr
Frühstück: 5 Scheiben Weißbrot mit Butter und Marmelade, Isogetränk, Banane
05.45: Fahrt zum Fühlinger See, Einrichten des Wechselplatzes
06.15: Isogetränk, 1 Gel, Warmhalten
06.30: Neo-Scheuerstelle am Nacken einreiben mit Vaseline, Neo anziehen, wegen Kälte Schuhe und Strümpfe noch anlassen, Wettkampfbesprechung
06.45: Schuhe und Strümpfe müssen aus, Abgabe des Kleiderbeutels
06.50: Ab ins Wasser, Brille richtig aufsetzen, locker einschwimmen in Richtung Startlinie
07.00: Es geht endlich los!

Abenteuer Langdistanz – Kapitel 4: Die letzten beiden Wochen vor dem Start

Zwei Wochen vor dem Start war ich sehr gelassen und zuversichtlich, denn ich hatte meine Hausaufgaben gemacht: Fleissig trainiert, mich vernünftig ernährt, gut geschlafen, alles dafür getan, dass Köln zu einem schönen Erlebnis werden konnte. Ich wusste, ich kann bei dieser Prüfung nicht durchfallen, im schlechtesten Fall als Note vielleicht ein befriedigend oder ausreichend erhalten, um es mal mit den Worten des Lehrers auszudrücken.
Hinsichtlich des Trainings hatte ich mich entschieden, in den letzten beiden Wochen kein Vereinstraining zu besuchen. Auf keinen Fall wollte ich mir von Trainingspartnern so kurz vor der ersten Langdistanz ein für mich unangemessenes Tempo aufzwingen lassen. Statt dessen trainierte ich konzentriert ganz für mich alleine nach dem mit Dieter Bender abgesprochenen Plan. Auch versuchte ich allen Gesprächen zum Thema Langdistanz aus dem Weg zu gehen. So vermied ich, Antworten auf Fragen finden zu müssen wie: “Hast du denn auch einen Pulsmesser?”, “Wie ist deine Wechselstrategie?”, “Welche Zielzeit peilst du an?”, “Hast du dir Gedanken über eine Ernährungsstrategie während des Wettkampfes gemacht?”, “Wie willst du den Marathon laufen, wenn du vorher noch nie einen Marathon gelaufen bist?” usw., usw. Lediglich mit meinem Leidensgenossen Bernhard tauschte ich mich noch in den letzten beiden Wochen zu unserem gemeinsamen Vorhaben aus und ging allen anderen Triathleten aus dem Weg – eine gute Entscheidung!
Was die Belastung im Training angeht, trainierte ich in der vorletzten Trainingswoche noch mit einem Umfang von ca. 13-14 Stunden. Dabei war bereits keine lange Radeinheit mehr vorgesehen. Schwimmen und Laufen zeigten noch eine ähnliche Intensität und ähnlichen Umfang wie in den Wochen zuvor.
In der letzten Woche wurden die Umfänge stark zurückgefahren. Auf dem Rad und beim Laufen absolvierte ich noch einige kurze, aber tempobetonte Einheiten. Die letzte “Trainingseinheit” absolvierte ich Freitags mit einem halbstündigen “Schwimmtraining”.
Am Freitagnachmittag hieß es dann endlich “Abreise nach Köln”.

Abenteuer Langdistanz – Kapitel 3: Das Material

Für die Teilnahme an einer Langdistanz erscheint mir verlässliches, passendes  Material wichtiger als ein Triathlonrad aus Carbon, der teuerste Neoprenanzug oder die Schwimmbrille, für die Jan Frodeno wirbt.
Mein Trainingskamerad Bernhard hat bewiesen, dass man sogar mit einer Art “Bobbycar” als Fahrrad die 180 km bewältigen kann.
Es sollte natürlich schon ein vernünftiges Fahrrad sein, mit dem ich an den Start gehen wollte und mir stand mit einem Scott Team Limited ein solches zur Verfügung. Hier handelt es sich um ein sehr leichtes, aber äußerst steifes Rennrad aus Aluminium, das überwiegend mit Komponenten der Dura Ace Gruppe ausgestattet ist. Da ich in der Vergangenheit die Erfahrung machte, dass ich nach 1-2 Stunden Fahrzeit bereits Rückenschmerzen bekam, ersetzte ich den 12 cm langen, geraden Vorbau durch einen 8 cm langen, schrägen Vorbau. Dies führte zwar zu einer etwas höheren, aber umso bequemeren Sitzposition, und meine Rückenprobleme waren schlagartig verschwunden.
Die standardmäßig angebrachten Billiglaufräder ersetzte ich durch Fulcrum 3 Laufräder aus Alu, eine merkbare Verbesserung.
Zusätzlich ersetzte ich die nach hinten gekröpfte Sattelstütze durch eine gerade Sattelstütze, so dass ich auf dem von mir montierten Triathlonsattel Arione Tri eine etwas weiter nach vorne verlagerte Sitzposition erreichen konnte.
Letztlich montierte ich auf dem Rennlenker einen Syntace C2 Clip, so dass ich für große Teile der Distanz eine “gemäßigte Zeitfahrposition” einnehmen konnte.
Das Schwimmen absolvierte ich in einem Orca Apex 2 – Neoprenanzug, der im Gegensatz zum letzten Jahr eine für mich optimale Passform hatte. Offensichtlich hatte ich durch das regelmäßige Training tatsächlich noch etwas abgenommen! Als Schwimmbrille reichte mir ein Billigexemplar von Decathlon zum Preis von ca. 5 €. Diese Brille saß im Gegensatz zu manchen teureren Brillen gut, drückte auch nach einer Stunde nicht und erfüllte ihren Zweck vollkommen.
Beim Laufen erwartete ich von vorherein Probleme mit Druckstellen an den Füßen. Aus diesem Grunde ließ ich an der Laufstrecke ein zweites Paar Laufschuhe für mich bereithalten, in die ich nach 20 km wechseln konnte. Nach 30 km nahm ich sogar einen weiteren Wechsel der Laufschuhe vor. Das Laufen bestritt ich mit einem “Brooks GTS Go2 Series” und einem “Nike Zoom”.
Insgesamt hatte ich zuverlässiges Wettkampfmaterial zur Verfügung, das ich im Training auch ausreichend lange getestet hatte. So gab es keinen Grund zur Unsicherheit oder Nervosität, was die Ausrüstung betrifft – eine sehr nervenschonende Sache!