Archiv der Kategorie: Projekt “Ironman in Nizza” im Jahr 2011

Ironman Nizza – “226 km für Haiti” – Der Film

Ironman Nizza – “226 km für Haiti”

"226 km für Haiti" - Artikel in der SZ"226 km für Haiti" - Artikel im Wochenspiegel

Triathlonsong “226 km”

Der Song beschreibt die Gedanken und Gefühle eines Triathleten während einer Langdistanz. Der Ironman Nizza 2011 war für mich persönlich die zweite Langdistanz. Alle 226 km wurden für das Projekt “226 km für Haiti” verkauft. Der Erlös wurde unserer Patenschule in Beaumont/Haiti zur Verfügung gestellt.

Ironman Nizza: Kapitel 14 – Was bleibt?

Der Ironman Nizza ist jetzt schon fast eine Woche Vergangenheit.
Ohne mein Spendenprojekt “226 km für Haiti”, an dem sich viele Freunde, Verwandte und Bekannte beteiligt hatten, indem sie mir einen meiner vor mir liegenden 226 Km abkauften, wäre ich dort vielleicht nicht an den Start gegangen. Aufgrund einer schweren Verletzung durch einen Radunfall vor einigen Wochen konnte ich nicht so trainieren, wie ich es mir vorgenommen hatte.  Besonders das Lauftraining konnte ich nur sehr eingeschränkt durchführen und habe mir sogar noch 2 Wochen vor dem Start beim Sprinttraining mit Schülern eine Oberschenkelzerrung zugezogen. Einige Radkilometer haben sicherlich auch noch gefehlt. Im Freiwasser habe ich im Vorfeld nicht ein einziges Mal trainiert.

So hieß meine Devise für Nizza: “Auf jeden Fall ankommen und die vielen Spenderinnen und Spender nicht enttäuschen!”

Dass ich das geschafft habe, macht mich sehr glücklich. Es freut mich, dass viele an mich gedacht haben und mir sicher auch die Daumen gedrückt haben.

Der Aufenthalt in Nizza war einfach klasse! Auch ohne Ironman wäre es hier toll gewesen. Gitta und ich haben einige sehr schöne Tage hier verbracht und werden sicher nochmals an die Côte d’ Azur zurückkehren.

Die Beweglichkeit meiner rechten Hand kehrt allmählich zurück. Nach meinen Recherchen kann es sich eigentlich nur um ein Karpaltunnelsyndrom handeln, was ich mir beim Radfahren eingehandelt habe. In den nächsten Tagen werde ich mich weiter ausruhen und nur etwas aktive Erholung betreiben.
Neue sportliche Ziele für die unmittelbare Zukunft habe ich mir keine gesetzt. Ob ich in diesem Jahr noch bei weiteren Wettkämpfen an den Start gehe, lasse ich einfach mal offen.

Mein Projekt “Ironman Nizza – 226 km für Haiti” endet nach den Sommerferien mit der offiziellen Spendenübergabe an den Verein “Pjowé men kontre – Haiti Deutschland e.V.”.  Der Spendenbetrag von rund 2600 € wird mit dazu beitragen, dass “unsere” Schüler in Beaumont/Haiti weiterhin zweimal pro Woche ein warmes Mittagessen bekommen können. Nochmals vielen Dank an alle, die das Projekt unterstützt haben.

Ironman Nizza: Kapitel 13 – Impressionen

Radcheckin

Radcheckin

Letzte Vorbereitungen

Gleich geht's zum Einschwimmen!

Die erste Disziplin ist glücklich absolviert!

Wechsel zum Radfahren

Auf der Laufstrecke

Auf der Laufstrecke

"Dat hamma uus vadient!"

"Dat hamma uus vadient!"

Ironman Nizza: Kapitel 12 – Der Ironman Nizza ist vorbei

Der Ironman Nizza war das erwartete schöne Erlebnis.
Es ist schon ein besonderes  Gefühl, inmitten von rund 2600 Schwimmern im Mittelmeer in der Baie des Anges schwimmen zu dürfen. Das Wasser war einfach herrlich. Mit meiner Schwimmzeit von 1:17 bin ich zufrieden. Ich hatte mich darauf eingestellt, dass es nicht einfach sein würde, sich inmitten der anderen Athleten zu orientieren und über die gesamte Distanz eine vernünftige Technik zu schwimmen. Insofern hatte ich eine Schwimmzeit von mindestens ca. 1:15 eingeplant.

Beim Radfahren war ich von einer Fahrzeit von mindestens 7:15 Stunden ausgegangen, da ich auf eine Referenzzeit im Flachen von 6:15 Stunden (Köln) zurückblicken konnte und dieses Mal wesentlich mehr Höhenmeter zu bewältigen waren. Da ich mich bei den Anstiegen zu keiner Zeit durch schnellere Athleten aus der Ruhe bringen ließ und immer meinen Rhythmus fuhr, stellten die Anstiege kein großes Problem dar. Auf den gefährlichen Teilen der Abfahrten ging ich sehr behutsam zu Werke. Hier hielt ich mir immer wieder meinen fatalen Trainingssturz vor Augen, bei dem ich mir vor 12 Wochen einen Brustwirbel gebrochen hatte. So hatte ich nur wenige Situationen zu überstehen, bei denen der Adrenalinpegel in die Höhe schoss und kam nach zufriedenstellenden 7:25 Stunden gesund in die Wechselzone zurück.

Das Laufen entwickelte sich nach etwa 15-20 Km immer mehr zu einem Wandern. Hier fehlten einfach die notwendigen Trainingskilometer, um ein besseres Ergebnis zu erzielen.

Wie soll es nun weiter gehen? Ich habe Gitta versprochen, im nächsten Jahr keine Langdistanz zu absolvieren. Mal sehen, ob ich dieses Versprechen einhalten kann? Es gibt eine tolle Veranstaltung in einem meiner Lieblingsländer – Irland. Dafür werden wir wieder gemeinsam eine Treckingtour im hohen Norden unternehmen. Außerdem plane ich für 2012 eine Alpenüberquerung mit dem Fahrrad. Das wollte ich schon lange einmal machen. Der Ironman Nizza wird jedoch, sofern ich gesund bleibe, nicht meine letzte Langdistanz sein.  Ich spiele mit dem Gedanken, meinen nächsten Ironman in der dann folgenden Altersklasse als Halbdistanz auf St. Croix (Amerikanische Jungfraueninseln) anzugehen. Das wird natürlich gleichzeitig wieder ein toller Urlaub sein.

Ironman Nizza: Kapitel 11 – “Put your hands up in the air!”

Sonntag, 26. Juni 2011. Es ist gerade mal 04:00 Uhr, als ich mich in unserem Hotel Comté de Nice zum Frühstück begebe. Ich bin heute der erste im Frühstücksraum. Auf dem Speiseplan stehen einige Stück frisches Baguette,  Kaffee, Orangensaft und zwei saftige Kiwis. Während ich frühstücke, trifft ein junger Engländer ein, der ebenfalls beim Ironman Nizza starten möchte.  Er bekommt von seinem Frühstück kaum etwas herunter und verlässt den Tisch, ohne richtig gegessen zu haben. “Ich lasse mir Zeit!”, denke ich mir und schmiere mir noch ein Nutella-Baguette. Nach einer halben Stunde habe ich in Ruhe gefrühstückt und fühle mich fit für den vor mir liegenden langen Sporttag.

Um 04:45 Uhr spazieren wir vom Hotel die 1,5 Km bis zum Bike-Park. In umgekehrter Richtung begegnen uns die letzten Nachtschwärmer, die bis zum Morgen in einer der zahlreichen Bars ausgehalten haben. Für mich ist völlg klar, wem es im Moment besser geht … mir natürlich, denn ich habe seit 6 Wochen keinen Schluck Alkohol getrunken! Gestern habe ich während des Radcheckin den Reifendruck verringert, weil es sehr heiß war und ich keinen Schlauchplatzer riskieren wollte. Heute pumpe ich auf etwa 6,5 bar, weil durch die zu erwartende Hitze der Reifendruck sicher auf über 7 bar steigen wird. Ich bringe meine Radflaschen an und schon sind auch die letzten Vorbereitungen am Rad erledigt.

Als es 05:00 Uhr ist, esse ich das letzte Gel, trinke noch ein wenig, verabschiede mich von Gitta und begebe mich in den Startbereich. Als Startzone habe ich mir die Schwimmer mit einer zu erwartenden Endzeit von 1:15 ausgesucht. Ich schwimme mich noch etwa 10 Minuten ein und fühle mich ziemlich relaxed und unaufgeregt. Als die Schwimmer für den Start aus dem Wasser gerufen werden, reihe ich mich in meinem Startbereich ziemlich vorne ein. Jetzt sind es nur noch 5 Minuten bis zum Start, und ich freue mich, dabei sein dürfen. Aus den Lautsprechern  tönt es “Put your hands up in the air!” und alle Athleten um mich herum machen mit. Bei mir herrscht eine sehr freudige Stimmung, während kurz vor dem Start die Sonne langsam aufgeht und das Meer in ein herrliches Licht taucht.

Pünktlich um 06:30 Uhr erfolgt das Startsignal. Ich bin sehr schnell im Wasser und fühle mich von Beginn an wie in einer Waschmaschine. Bis zur ersten Boje bei etwa 600m ist an ein technisch sauberes  Kraulschwimmen überhaupt nicht zu denken. Ständig muss ich die vom Training gewohnte normale Kraullage verlassen, mich umorientieren, an langsameren Schwimmern vorbeischwimmen, Tritte und Stöße einfangen, mir Platz mit den Armen und Beinen schaffen und schauen, trotzdem möglichst flott voran zu kommen. Mir wird sehr schnell klar, dass dieses Schwimmen kein Zuckerschlecken werden wird, zumal das Gedränge auch nach der ersten Boje einfach nicht aufhören will.  Irgendwann bin ich ziemlich außen angelangt und muss sicher einige Meter mehr schwimmen als vorgesehen, habe aber endlich einigermaßen Platz. Nach 2400m und dem Landgang hat sich die Sache beruhigt. Ich merke jedoch, dass ich für dieses Schwimmen bereits wesentlich mehr Energie aufbringen musste, als bei meiner letzten Langdistanz in Köln, bei der das Schwimmen auf einer Regattabahn stattfand. Die zweite Schleife von 1400m Länge bringe ich ganz in Ruhe zu Ende und steige in akzeptablen 1:17 Stunden aus dem Wasser (Köln: 1:09). Schön ist es, Gitta zu sehen, die beim Ausstieg auf mich wartet. Sie möchte wissen, ob alles in Ordnung ist, und ich kann bestätigen, dass ich einigermaßen unbeschadet das Schwimmen überstanden habe.

Nach etwa 10 Minuten bin ich aus der Wechselzone und gehe gegen 08:00 Uhr auf die Radstrecke. Die ersten 20 Km sind flach und verlaufen am Meer entlang. Ich rolle erst einmal ganz locker los. Die erste halbe Stunde nutze ich zum Essen und Trinken, denn anschließend warten 1900 Höhenmeter, die bei 35° Lufttemperatur überwunden werden wollen. Die erste 12-prozentige Steigung nach Gattières hat es in sich. Der Puls hat sich noch nicht bei den von mir angepeilten 140-145 Schlägen pro Minute eingependelt und erreicht hier bereits sehr hohe Werte. Ich muss Tempo herausnehmen! Sehr viele Athleten, vor denen ich aus dem Wasser gestiegen bin, überholen mich. “Cool bleiben! Das eigene Tempo fahren!”, denke ich und bleibe in meinem Rhythmus.

Ein befremdliches Gefühl stellt sich nach ca. zweistündiger Bergfahrt ein: “Was ist mit meiner rechten Hand los? Ich kann nicht einmal mehr vernünftig schalten! Die Finger und die ganze Hand fühlen sich saft- und kraftlos an!” Ich weiß echt nicht, was mit mir los ist. Zum Betätigen der Schalthebel an meinem Triathlonlenker muss ich die ganze Hand einsetzen. Normalerweise reicht dafür ein Finger aus. “Das ist ja fast wie ein Schlaganfall!”, denke ich, weil meine rechte Hand fast funktionsunfähig ist. Ich fühle mich jedoch nicht schlecht und bin im Kopf völlig klar. Auch die Herzfrequenzwerte sind ganz normal. Also fahre ich weiter, als ob nichts wäre.

Plötzlich taucht vor mir ein Athlet auf, der mit nur einem Bein den Berg hinauf strampelt. Welch eine außergewöhnliche Leistung! Sie nötigt mir den allerhöchsten Respekt ab!  Meine angepeilte HF von 140 Schlägen stellt sich erst nach etwa 80 Km Fahrtstrecke ein, ich kann jedoch das gefahrene Tempo bis zum Col de l’ Ecre halten und befürchte jetzt auf der Radstrecke keinen Einbruch mehr, da es nach etwa 120 Km mehr oder weniger bergab gehen wird. Die Abfahrt vom Col de l’Ecre ist gefährlich! Hochgeschwindigkeitspassagen werden unterbrochen durch enge Kurven, in denen es steil den Abhang hinunter geht. So kommt es zu zahlreichen Stürzen und Aufgaben. Die Krankentransportfahrzeuge sind ständig unterwegs, um die Unfallopfer zu versorgen. Wahrscheinlich haben sich viele bei der großen Hitze schon im Anstieg auf die 1100m überfordert, so dass sie jetzt bei der Abfahrt zu unkonzentriert agieren. Ich sage mir immer wieder: “Aufpassen! Nichts riskieren! Heil unten ankommen!”  Trotzdem gibt es auch für mich noch einige brenzlige Situationen zu überstehen, als vor gefährlichen Kurven nicht gewarnt wird. Glücklich und unbeschadet komme ich jedoch unten an. Die letzten 20 Km sind nochmals flach, aber mit reichlich Gegenwind versehen. Ich lasse es nach Nizza mehr oder weniger ausrollen und bin nach einer Fahrzeit von 7:35 Stunden in der Wechselzone (Köln: 6:15).  Sicher hätte ich eine halbe Stunde schneller sein können, aber zu welchem Preis?

Es ist 15:45 Uhr. Mein Marathon beginnt. Die Sonne brennt immer noch unbarmherzig vom strahlen blauen Himmel, und es weht kein Lüftchen. Die Urlauber vergnügen sich in den Cafés, am Strand und in den Fluten, während ich auf meine erste 10 Km-Runde gehe. Vorgenommen habe ich mir, zunächst einmal 2 Stunden locker zu laufen und dann zu schauen, was noch geht. Beim Herauslaufen aus der Wechselzone entdecke ich Gitta am Straßenrand. Wir hatten abgemacht, dass ich so gegen 15:30 vom Radfahren eintreffen würde, und dieser Plan war aufgegangen. Ich bestätige ihr, dass mit mir noch alles in Ordnung sei und bin froh, als ich die Menschenmassen im Start-/Zielbereich verlassen kann.

Die erste Runde führt wie die drei weiteren auch über die Promenade des Anglais am Strand entlang bis zum Flughafen und zurück. Die Sonne brennt nach wie vor unbarmherzig vom Himmel und der ziemlich rauhe Asphalt glüht regelrecht. An jeder Verpflegungsstelle gehe ich kurz und nehme abwechselnd Gel und Iso, aber gleichzeitig immer Wasser auf. Die aufgestellten Duschen nutze ich ebenfalls und kühle mich so oft es geht unter dem Wasser ab.

“Das funktioniert ja alles zunächst nach Plan! Der Marathon scheint mir ja noch ganz prima und easy von der Hand zu gehen.”, denke ich. Ich überhole sogar zahlreiche Athleten und wundere mich selbst, wie fit ich mich noch fühle. Nach der ersten Sunde habe ich fast 10 Km hinter mich gebracht, und ich beginne zu rechnen: “Wenn ich nun pro Folgerunde  jeweils um etwa 5-10 Min. langsamer werde, dann lande ich bei einer Endzeit von genau 5 Stunden. Da ich ziemlich genau um 15:45 Uhr losgelaufen bin, bin ich um 20:45 Uhr im Ziel. Super! Dann kann ja nichts mehr schiefgehen!”

Mit dieser Rechnung laufe ich an Gitta vorbei und kündige mein Wiederkommen in 1:10 Stunden an. Im Laufe der zweiten Runde werden die Beine jedoch plötzlich immer schwerer, die Fußballen und Zehen beginnen zu brennen und die Hände fühlen sich mehr und mehr gefühllos an. Als ich über die Handinnenflächen streiche, werden diese fahlweiß und scheinen nicht mehr durchblutet zu sein. Ich ordne das als normale Reaktion des Körpers ein, wenn dieser versucht, vor allem die lebenswichtigen Organe zu versorgen und fühle mich ansonsten kreislaufmäßig o.k.! Beim Flughafen scheint der Wendepunkt einfach nicht näher zu kommen. Die Oberschenkel machen zu und die Fußsohlen und kleinen  Zehen lösen sich langsam auf. Bei KM 15 beschließe ich, jetzt mal eine kurze Gehpause zu machen! Nach 2-3 Minuten fange ich wieder an zu laufen und erreiche den Wendepunkt bei KM 20 nach 1:30 statt der geplanten 1:10 für die zweite 10 KM-Runde.

Ich passiere noch den Wendepunkt und laufe an Gitta vorbei, um ihr anzukündigen, dass ich immer langsamer werde und dass es jetzt wohl um die 1:35 Stunden dauern wird, bis ich wieder da bin, als es dann mit dem Laufen ganz vorbei ist. Ich schaue auf die Uhr, um genau auszumachen, wie lange ich für die nächste Runde brauche und nehme diese gehend in Angriff. Ich komme nun einfach nicht mehr in Schwung und bin gehend nach 1:50 wieder am 30 KM-Wendepunkt. Bei weiteren Laufversuchen auf der letzten 10KM-Runde machen sofort die Oberschenkel zu, so dass ich auch die letzte Runde gehend hinter mich bringen muss. Nach weiteren 1:55 bin ich kurz vor dem Ziel und laufe tatsächlich noch die letzten 500m auf dem Zahnfleisch bis zur Finish-Line. Immer noch kommen mir Läufer entgegen, die noch eine ganze Runde vor sich haben und das Ziel mit Sicherheit nicht mehr vor Zielschluss erreichen werden. Sie tun mir richtig leid, denn ich kann in ihren Augen die Enttäuschung sehen. Trotzdem bringen sie auch diese letzten Kilometer noch verbissen zu Ende und nötigen mir den höchsten Respekt ab.

Der Empfang im Ziel ist überwältigend. Auch die letzten Finisher, zu denen ich heute gehöre, werden noch wie Sieger begrüßt und mit La Ola-Wellen angefeuert. Kurz vor der Ziellinie sehe ich Gitta in der Menschenmenge. Sie scheint mehr als ich selbst erleichtert zu sein, dass ich jetzt das Ziel erreicht habe. Um 22:10 Uhr nach 15:40 Stunden Wettkampfzeit höre ich nun endlich die Worte, auf die ich heute lange gewartet habe: “Udo, you are an Iron Man!” Ich kann nun endgültig keinen Schritt mehr vernünftig gehen, geschweige denn laufen. Der Kopf ist leer, die Füße haben sich aufgelöst, die Beine schmerzen, aber ich bin ein glücklicher Ironman.

Am Abend gehen wir noch mit Casper aus Stuttgart, der die Hawaii-Quali ganz knapp verpasst hat, Pizza essen. Ich bin fast nicht in der Lage, meine Pizza zu schneiden und die rechte Hand einzusetzen. Wieder denke ich an eine Art Schlaganfall oder an ein neurologisches Problem. Ringfinger und kleiner Finger der rechten Hand stehen ab und ich kann sie einfach nicht mehr zusammenführen.  “Keine Ahnung, was das ist! Jetzt erst mal vernünftig ausschlafen, morgen sehen wir dann weiter!” 

Ironman Nizza: Kapitel 10 – 226 Km für Haiti

Meine Sammelaktion “226 Km für Haiti” steht kurz vor dem Abschluss. Fast alle Kilometer sind verkauft. Die Aktion hat bisher insgesamt über 2500 € eingebracht und wird dafür sorgen, dass “unsere” Schüler in der Patenschule von Beaumont/Haiti weiterhin dreimal pro Woche ein warmes Mittagessen bekommen können.
Die Spendenübergabe wird nach den großen Ferien sein. Ein herzlicher Dank geht an alle, die durch den Kauf eines oder mehrerer Kilometer diese Aktion unterstützt haben. Für sie alle werde ich versuchen, den Ironman Nizza am nächsten Sonntag zu finishen.

PS: Sollte sich noch jemand an der Aktion beteiligen wollen, so schickt mir einfach ein E-Mail. Den Projektstand findet man auf www.erswfg.de.

Ironman Nizza: Kapitel 9 – Feinschliff für Geist, Körper und Material

Heute in 1 Woche um diese Zeit möchte ich bereits auf dem Rad sitzen, um die Radstrecke des Ironman Nizza zu bewältigen. Bis dahin erfolgt noch der geistige, körperliche und materialtechnische Feinschliff.
Vom Kopf her bin ich sehr positiv auf die Veranstaltung eingestimmt. Gitta und ich, wir befinden uns nächsten Sonntag bereits an angenehmem Ort in den Sommerferien und ich werde einen schönen, langen Sporttag verbringen. Das Schwimmen im Meer wird mir eine große Freude sein, ebenso wie die lange Sightseeing-Toir durch die südfranzösischen Voralpen auf den Spuren Napoleons und Hannibals.  Dass es beim abschließenden Laufen schwierig werden wird, nicht nur wegen der zu erwarteten Hitze an der Promenade des Anglais, die keinerlei Schatten bietet, darauf habe ich mich eingestellt. Ich weiß jedoch, dass ich auch den abschließenden Marathon bewältigen werde, wenn ich mit meinen Ressourcen haushalte und mich den ganzen Tag über gut versorge.

Für die Versorgung während des Wettkampfes habe ich mir im Training einen Zeit-und Mengenplan erarbeitet, den ich in jedem Fall einzuhalten versuche:

- 1/2 Stunde vor dem Schwimmen das letzte Gel und Getränk (Iso)
- auf den ersten 20 km Rad (flach) ausreichend essen und trinken (1 Gel, 1 Riegel, 500 ml Wasser)
- auf der Radstrecke alle 20 Min. 1 Gel, alle 15 Min. ca. 200 ml. Wasser, alle 30 Min. etwas Iso, an den Verpflegungsstellen Banane, jede Stunde 1 Salztablette
- auf der Laufstrecke nur noch flüssige Nahrung, alle 20 Min. 1 Gel und Wasser, jede Stunde 1 Salztablette, auf den letzten 10-15 Km an jeder Verpflegungsstelle Cola und Wasser

Körperlich fühle ich mich ausreichend vorbereitet. Die nach wie vor vorhandenen Probleme mit dem vor einigen Wochen verletzten Brustwirbel werden mich nicht entscheidend behindern.
Das Schwimmtraining ist bisher abolut so verlaufen, wie geplant. Hier habe ich sogar etwas mehr getan, als was nach Plan vorgesehen war. In der Regel konnte ich pro Woche 3 TE mit im Schnitt 3100 m und integriertem Technikraining absolvieren.  Auf dem Rad haben sich die Einheiten i.d.R. auf ca. 3-4 Stunden beschränkt. Längere Einheiten waren kaum dabei. Die längste Einheit erstreckte sich auf 130 km mit ca. 1500 Höhenmetern. Als spezielle Vorbereitung auf den Radkurs in Nizza habe ich mir in den letzten Wochen zahlreiche Strecken mit Bergen ausgesucht. Die größten Probleme habe ich nach wie vor beim Laufen. Zwar hatte ich auch hier wöchentlich 3 Einheiten vorgesehen, habe diese jedoch höchst selten wie geplant durchgeführt. Grund dafür waren die ohnehin vorhandenen orthopädischen Probleme (Knie, Achillessehnen, Fußgelenke) und mehrere Verletzungen in der Vorbereitung auf den Ironman Nizza. Der längste Lauf war ein Zweistundenlauf vor ca. 4 Wochen. Ansonsten bin ich selten länger als 90 Minuten am Stück gelaufen. So werde ich mich in der letzten Disziplin irgendwie über die Runden retten müssen.

Was das Material angeht, bin ich gut ausgestattet. Mein Orca Apex 2 wird mir gute Dienste leisten. Auf meine Schwimmbrille zu 3,90 € von Decathlon ist Verlass.
Ich habe mich entschlossen, mit dem Triathlon-Rad an den Start zu gehen. Mit meinem Scott Plasma habe ich mich inzwischen gut vertraut gemacht. Durch den Aufsatz einer Schaftverlängerung ist auch der Triathlon-Lenker inzwischen für mich auf langer Strecke bequem fahrbar. Vor der Abreise werde ich mir noch neue Radhandschuhe, eine Regenjacke und eine neue, kleine Radpumpe anschaffen. Fahren werde ich in kompletter Radkleidung. Ärmlinge und Beinlinge werde ich mitführen, da es in den Bergen kühl werden kann. Nach dem Radfahren werde ich mich dann komplett umziehen.
Laufen werde ich in einem Einteiler und in meinen Brooks-Laufschuhen, die mir bereits bei meinem letzten Wettkampf gute Dienste geleistet haben.

Das Training wird sich in der letzten Woche auf ca. 6 Stunden beschränken. In den letzten Tagen werde ich noch ein wenig wettkampfspezifisch trainieren, wie z.B.:

- Schwimmen mit Orientieren, Wasserballkraul und Landgang, Zuglänge/Atmung
- Kurze, schnelle Koppeleinheiten Rad und Lauf (bis ca. 90Min. Rad und 30Min. Lauf)
- Schwimmen, Rad und Lauf: 4-6 Serien á 90 Sek. mit Übertempo einbauen

Abreise ist Mittwoch.
Ab Donnerstag ist in Nizza ein tägliches Schwimmtraining auf der Wettkampfsrecke organisiert. Davon werde ich Gebrauch machen, um insbesondere die im Meer etwas schwierigere Orientierung zu erproben. Die Radstrecke werde ich mit Gitta zusammen im Auto abfahren und nur die “Schlüsselstellen” auf dem Rad bewältigen. Die Laufstrecke bietet außer dem Asphalt und der Hitze keine besonderen Schwierigkeiten.

Alle Systeme auf go! Es kann losgehen!

 

 

 

Ironman Nizza: Kapitel 8 – 3 Wochen vor dem Start

Langsam wird’s ernst! Noch genau 3 Wochen bis zum Ironman Nizza und ich bin fast startklar.
Die Folgen meines Fahrradsturzes, der jetzt 8 Wochen zurückliegt, spüre ich zwar noch, jedoch behindert mich der verletzte Brustwirbel weder beim Schwimmen, noch beim Radfahren oder Laufen. Lediglich nach umfangreichen Einheiten spüre ich, dass die Wirbelverletzung noch nicht ganz ausgeheilt ist.
Die vergangene Woche zeigte die bisher größten Trainingsumfänge mit bis zu 16 Stunden Training. Sie beinhaltete sowohl die längste Schwimmeinheit (4100m), als auch die längste Radeinheit (6 Stunden), sowie die längste Laufeinheit (Halbmarathon der Saarlouiser Woche) der gesamten Vorbereitung.
Die aktuelle und die folgende Woche möchte ich noch umfangsbetont trainieren und dann das Tapering beginnen.
Das bedeutet:
- Diese und nächste Woche noch ca. 15 Stunden Training pro Woche mit jeweils 1 langen Rad- und 1 langen Laufeinheit, sowie insgesamt jeweils 3 Schwimm-, Rad- und Laufeinheiten.
- Die Vorwettkampfwoche als eine Art Erholungswoche mit drastischer Reduktion des Umfangs zugunsten mehrerer kurzer, aber intensiver Einheiten.
- In der Wettkampfwoche kurzes, intensives Training am Montag und Dienstag, Anreise am Mittwoch, Akklimatisation am Donnerstag, kurzes, intensives “Aufwecken” der Muskeln am Freitag und Samstag, ein “schöner, langer Sporttag” am Sonntag.